Die Zubereitung macht den Unterschied

Ich bin ehrlich: Weißen Spargel fand ich nie besonders gut, und für mich war der Preis dafür nie gerechtfertigt. Bei meiner Mutter hat er immer Fäden gezogen. Und wenn sich so ein Faden zwischen den Zähnen verfängt und beim Runterschlucken halb im Hals und halb am Zahn hängt – das ist wirklich kein schönes Gefühl. Auch geschmacklich konnte der eingekochte Spargel nie überzeugen – er wurde ja meist einfach in Wasser gekocht. Dabei gibt der Spargel seinen Geschmack eher an das Wasser ab. Die Spitzen waren zwar aromatisch, aber das Verhältnis zum restlichen, eher faden Teil war einfach zu gering.

Nachdem ich von zu Hause ausgezogen war, kam Spargel bei mir gar nicht mehr auf den Teller – irgendwie verständlich, oder?

Bewusster ernähren

Vor ein paar Jahren begann ich, mich bewusster zu ernähren: mehr Gemüse und Ballaststoffe, weniger kohlenhydratreiche Beilagen und stattdessen etwas mehr Eiweiß. Um meinen Speiseplan abwechslungsreicher zu gestalten, begann ich auch, Gemüsesorten zu probieren, die ich entweder nicht mochte, nicht kannte oder die in Vergessenheit geraten waren. Zugegeben, die letzten beiden Punkte trafen selten auf mich zu – selbst als Kind aß ich jede Kohlsorte, sogar Rosenkohl, unheimlich gern. Meine Lieblingsgerichte waren Linseneintopf oder der bunte Salat meines Patenonkels.

Erste Liebe: Grüner Spargel

Was ich bis dahin jedoch nicht kannte, war grüner Spargel. Also habe ich ihn gekauft und kurz recherchiert, wie man ihn am besten zubereitet. Ich war im siebten Spargelhimmel! Ich hatte ihn nur mit etwas Öl und Salz gedünstet, lediglich die holzigen Enden abgeschnitten – nicht mal geschält. Was für ein einfaches und unglaublich leckeres Gemüse!

Vor etwa einem Jahr wollte ich dann auch dem weißen Spargel noch einmal eine Chance geben. Ich kombinierte ihn mit grünem Spargel in einer Tarte – leider ein Reinfall. Der weiße Spargel war extrem bitter und ungenießbar.

Der letzte Versuch

Aber Aufgeben ist keine Option. Also beschloss ich, dem Spargel dieses Jahr eine letzte Chance zu geben. Diesmal googelte ich vorher, wie man ihn am besten kocht: mit etwas Butter und Zucker, und maximal 10 Minuten. Im Dampfgarer soll er ebenfalls gut gelingen. Ich habe beides ausprobiert – im Dampfgarer ohne Butter und Zucker, im Topf mit. Mein Fazit war schnell klar: Im Topf wird der Spargel deutlich aromatischer, zieht kaum Fäden und ist angenehm weich.

Ich wollte aber mehr als nur die klassische Variante mit Sauce Hollandaise oder in Schinken gewickelt. Inspiriert von einem Rezept aus meiner kleinen Kochzeitschrift-Sammlung entstand dieses Putengulasch mit Spargel. Und wenn mir etwas richtig gut schmeckt, dann wird es wenige Tage später gleich noch mal gekocht – so wie dieses hier.

Wenig Kohlenhydrate, viel Geschmack

Wenn Du – wie ich – gerne mit deinen Mahlzeiten spielst und z. B. zwei eher kohlenhydratarme und eine kohlenhydratreichere am Tag einbaust, dann ist dieses Gericht perfekt geeignet. Es sättigt gut, liefert hochwertiges Eiweiß – und kommt ganz ohne klassische Beilage aus. Und selbst bei doppelter Portion bleiben die Kohlenhydrate dank der Weißweinsauce absolut im Rahmen.

Meal Prep leicht gemacht

Auch als Meal Prep ist das Putengulasch bestens geeignet – eingefroren oder eingekocht hält es sich mehrere Monate.

Informationen

Vorbereitungszeit

10 Minuten

Kochzeit

25-30 Minuten

Gesamtzeit

35-40 Minuten

Portionen

2 Portionen

Kalorien

376 Kalorien p. Portion

Küche

deutsch

Rezept

Zutaten

  • 300 g Putenschnitzel
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 rote Paprikaschote
  • 10 g Pflanzenöl
  • 20 g Tomatenmark
  • 120 ml Weißwein, trocken
  • 200 ml Gemüsebrühe
  • 300 g weißer Spargel
  • 5 g (laktosefreie) Butter
  • Prise Zucker
  • Salz
  • weißer Pfeffer

Benötigte Geräte

  • kleiner Topf mit Deckel
  • Pfanne
  • Schneidbrett
  • scharfes Messer
  • Messbecher
  • Küchenwaage
  • Sparschäler/ Garnierschäler
  • Küchensieb
  • Pfannenwender
  • Schüssel

Schritt für Schritt Anleitung

  1. Tupfe als erstes das Fleisch mit Küchenpapier trocken, entferne die Silberhaut und schneide das Fleisch in 2 cm große Stücke.
    Achtung: Fleisch unter fließendem Wasser abzubrausen ist nicht ideal, da sich das Spritzwasser vom Fleisch auf der gesamten Arbeitsfläche verteilen und Bakterien so verbreiten können.
  2. Erhitze das Öl in der Pfanne und brate die Fleischstücke rundherum bei höherer Hitze scharf an.
  3. Schäle in der Zwischenzeit die Zwiebel und den Knoblauch, schneide die Zwiebel in feine Würfel, den Knoblauch hackst Du sehr fein.
    Tipp: Du kannst auch eine Knoblauchpresse verwenden. Dadurch werden die Zellen des Knoblauchs zerstört und die ätherischen Öle treten besser aus – das verursacht den typischen Knoblauchatem. Daher benutze ich in keinem meiner Rezepte eine Presse.
  4. Gib zunächst nur die Zwiebelwürfel zum Fleisch und dünste diese etwa 2 Minuten mit an, bevor Du den gehackten Knoblauch sowie das Tomatenmark auf den Pfannenboden gibst.
    Achtung: Knoblauch brennt schneller an als die Zwiebelwürfel und würde dem Gericht eine sehr starke, bittere Note verleihen. Daher gib ihn immer zum Ende des Dünstvorgangs hinzu.
  5. Nach weiteren Minuten löschst Du die Pfanne mit Weißwein ab, reduzierst die Hitze auf mittlere Stufe und lässt den Weißwein einkochen.
  6. Währenddessen beginnst Du, den Spargel zu schälen, entfernst die unteren, holzigen Enden und schneidest ihn in 2–3 cm lange Stücke. Tipp: Ein Garnierschäler eignet sich genauso gut wie ein Spargelschäler. In gut sortierten Supermärkten wird aber auch verpackter, geschälter Spargel angeboten – oder der frische Spargel wird für Dich extra geschält.
  7. Füge nun die Brühe zum Fleisch und lass das Ganze 20 Minuten köcheln.
  8. Befülle einen kleinen Topf mit Wasser, gib eine Prise Zucker, die Butter und die Spargelstücke hinzu und bringe das Wasser auf höchster Stufe zum Kochen. Lege dafür den Deckel auf – dann geht’s etwas schneller.
  9. Sobald das Wasser kocht, lasse den Spargel 8–10 Minuten – je nach Dicke der Stangen – kochen.
  10. Lege ein Küchensieb auf eine Schüssel und gieße den Spargel darin ab. Falls die Brühe in der Pfanne zu stark reduziert ist, kannst Du die Sauce mit dem Spargelwasser etwas verdünnen.
  11. Füge den Spargel zur Pfanne, würze mit Salz und Pfeffer und mische alles gut durch.
  12. Serviere das Putengulasch mit Spargel mit Kartoffeln oder Reis.

Info

Einkochbar bei 100° C und 120 Minuten im EKA - ohne Butter beim Spargel

Achtung

Falls Kinder oder Personen mitessen, die keinen Alkohol trinken, verwende statt des Weißweins einfach Brühe

Da geht noch was...

Wenn Du noch mehr Geschmack in das Rezept einbringen möchtest, verwende zusätzlich Thymian und Estragon. Und falls Du eine vegane Alternative suchst, gewürfelter Tofu marinieren und statt der Putenwürfel anbraten. Achte nur beim Wein darauf, dass dieser auch vegan ist. Einige Weinsorten werden mit Gelátine geklärt und sind daher nicht vegan und nicht vegetarisch. Statt der Butter kannst Du auch einen Schuss Öl oder vegane Butter ins Kochwasser geben. Da Spargel ein Gemüse der Saison ist und im Jund die Zeit bereits leider wieder vorbei ist, ist dieses Putengulasch aber keineswegs nur ein saisonales Rezept. Mit grünen Erbsen oder Zuckerschoten kannst Du daraus wunderbar ein ganzjähriges Gericht kochen. Dank guter Konservierungsmöglichkeiten von Erbsen sind diese als TK oder Glaskonserve jederzeit erhältlich.

Nährwertangaben

Info: Die Kalorien sind ohne Beilage berechnet.
 GesamtmengeMenge je Portion
kcal 751,4 375,7
Fett 18,1 9,0
Kohlenhydrate 42,1 21,0
Eiweiß 78,2 39,1

Weißer Spargel

Weißer Spargel gilt als Delikatesse und ist besonders in der Saison von April bis Juni sehr beliebt. Im Gegensatz zu grünem Spargel wächst er unter der Erde und bleibt daher hell. Vor der Zubereitung muss er gründlich geschält werden. Beliebte Zubereitungsarten sind das Kochen in Wasser oder Brühe, aber auch das Dämpfen oder Garen im Ofen. Weißer Spargel passt hervorragend zu Kartoffeln, Schinken, Fisch oder Sauce Hollandaise. Er enthält wichtige Vitamine wie C, E und B-Vitamine sowie Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Phosphor.

Weißer Spargel

Weißer Spargel wirkt entwässernd und regt die Nierentätigkeit an. Zudem unterstützt er durch seinen hohen Ballaststoffgehalt die Verdauung und ist sehr kalorienarm – ideal für eine bewusste Ernährung. Frischer weißer Spargel erkennt man an feuchten, geschlossenen Schnittstellen und fest geschlossenen Köpfen. Im Kühlschrank bleibt er – in ein feuchtes Tuch gewickelt – bis zu drei Tage frisch. Vor dem Kochen sollten die holzigen Enden abgeschnitten werden. Weißer Spargel ist ein Klassiker der Frühlingsküche und bringt saisonalen Genuss auf den Teller.